Die Lage ist ernst – der Tag der Räumung könnte schon sehr bald kommen. Damit ihnen das nicht zu leicht fällt, haben sich AZ und Plenum gut vorbereitet… An alle Unterstützer_Innen sowie an die Entscheidungsträger_Innen von Stadt, Staat & Stadtsparkasse: Lest was euch erwartet wenn die Wiersbergstraße 44 geräumt wird!

Ansonsten gilt: Weitermachen!

Ganz wie im falschen Leben: wir tanzen heiter weiter am Abgrund und tun so als ob’s kein Morgen gäbe. Jetzt erst recht: Kommt ins AZ. Macht weiter Veranstaltungen. Informiert euch. Organisiert euch. Helft im AZ mit – es gibt viel zu tun, also kommt vorbei und packt mit an! Egal wann, egal wie lang.

Bei der Räumung

Die Staatsmacht wird vermutlich im Morgengrauen anrücken – und wir sind darauf vorbereitet. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich an Aktionen zu beteiligen. Für alle gilt der ausdrückliche Wunsch des Plenums, sich an den Aktionkonsens zu halten (siehe unten)!!! Bitte informiert euch auch bereits im Vorfeld über richtiges Verhalten bei Polizeikontakt - zum Beispiel hier bei der Roten Hilfe; die Broschüre liegt auch am Infopunkt im AZ zum Mitnehmen aus. Oberstes Gebot dabei: KEINE AUSSAGEN ÜBER NIX – außer dem was in eurem Perso steht. Notiert euch auch die Nummer des Ermittlungsausschusses: 0221/ 932 72 52.

  • Aktionen im und am Haus

Wir versprechen der Staatsmacht: freut euch auf eine spannende Schnitzeljagd in unserem riesigen Haus! Ihr werdet den ganzen Tag brauchen, um auch die Letzten von uns hinauszuprügeln oder vom Dach loszuschweißen. – An die Unterstützer_Innen: Aus schmerzvoller Erfahrung wissen wir, dass SEKs und andere Cops wenig zimperlich sein können, wenn ihnen hinter verschlossenen Türen niemand auf die Schlagstöcke schaut. Bitte überlegt euch gut, ob ihr dieses Risiko eingehen wollt, und wählt dementsprechend euren Ort auf dem Gelände und eure Form des passiven Widerstands aus. Dass ihr bei einer Festnahme Anzeigen u.a. wegen Hausfriedensbruch bekommt sollte euch natürlich ebenfalls klar sein.

  • Wer es nicht bis aufs Gelände schafft:

Die Cops werden das Gebiet großräumig abriegeln. Kommt so schnell es geht, nervt die Polizeiketten überall – und sammelt euch dann um 7 Uhr an der Ubahnstation Kalk-Kapelle. Dort wird eine Kundgebung angemeldet und wir schauen weiter. Ein Infopunkt wird dort den ganzen Tag eingerichtet sein – zentrale Anlaufstelle für alle die was tun wollen.

Rechtliche Info: Falls ihr auf dem Weg dorthin oder in der Nähe des Hauses von der Pozilei angemacht werdet und evt. Platzverweise erhaltet: Diese gelten NICHT für den Weg zu einer angemeldeten (Spontan-)Demo, solange von euch keine (nachweisbare) Gefahr ausgeht – das ist euer Recht, auch wenn sie euch etwas anderes erzählen! Also lasst euch nicht verarschen, argumentiert dementsprechend und schaltet nötigenfalls den EA ein.

  • Aktionen im Stadtgebiet

Das Haus steht in der Wiersbergstraße – doch die Idee ist nun überall. Es werden größere Aktionen im gesamten Stadtgebiet stattfinden, also achtet auf Ankündigungen ab dem Moment der Räumung und beteiligt euch daran.

  • Dezentrale Aktionen

Darüber hinaus könnt ihr natürlich auch gerne autonome kleine Aktionen machen. Vorschlag: warum nicht das Programm des AZ in Stadtsparkassen-Filialen oder Ämter verlegen? Ein kleiner Gabba-Rave hier, ein Workshop “Trompete für Anfänger_Innen” dort… So etwas könnt ihr in einer kleinen Gruppe jetzt schon vorbereiten, kurz durchziehen – und bevor die Cops anrücken steht ihr schon wieder 3 Veedel weiter in der nächsten Filiale. Zeigt ihnen eure Wut – hier habt ihr dazu auch noch etwas Infomaterial zum Ausdrucken, Kopieren und Verteilen.

Oder vielleicht fällt euch ja auch noch etwas ganz Anderes ein? Wir sind gespannt!

  • Abends/ die nächsten Tage

Wie es dann weitergeht, lest ihr hier.

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Aktionskonsens

Wie ihr auf die Räumung reagiert – das kann und will euch niemand vorschreiben. Das Plenum des AZ hat sich jedoch entschieden, einen gemeinsamen Aktionskonsens zu formulieren. Die Überlegungen dazu könnt ihr unten im Kommentar lesen.

Wir hoffen dass sich alle, die ‘im Namen des AZ’ agieren, daran halten, da eure Aktionen immer auf das gesamte Autonome Zentrum zurückfallen werden! Der letzte Probealarm hat auch gezeigt: Dieser Konsens kann direkt vor oder während einer Räumung nicht mehr diskutiert werden. Bitte respektiert das.

Aktionskonsens des AZ für den Fall einer Räumung

Um im Falle einer drohenden Räumung nicht durch lange Diskussionen handlungsunfähig zu sein, hat sich das Plenum des AZ dazu entschieden, für diese Situation im Vorfeld einen Aktionskonsens zu formulieren. Eine Diskussion über diesen Konsens kann bei konkret bevorstehender Räumung nicht stattfinden.

Die Grundlage für unser gemeinsames Engagement im und für das AZ besteht in gegenseitiger Rücksichtnahme und Aufmerksamkeit für die Ängste und Bedürfnisse der anderen NutzerInnen. Dies gilt insbesondere auch in der Stresssituation einer Räumung.

Der Aktionskonsens lautet:

Von den BesetzerInnen wird keine Eskalation der Räumungssituation angestrebt. Dies beinhaltet, dass von Seiten der BesetzerInnen kein aktiver Widerstand gegen die Räumung geleistet wird. (Das bedeutet unter anderem: Keine Steine oder andere Dinge werfen, keine Barrikaden anzünden, keine körperlichen Angriffe auf PolizistInnen u.ä.).

Es ist allerdings in Ordnung und erwünscht, die Entschlossenheit der Besetzung durch körperliche Präsenz zu demonstrieren. Dazu gehört es auch, sich der konkreten Räumung passiv zu widersetzen, z. B. durch wegtragen lassen, Ketten bilden oder anketten.

Bitte denkt bevor ihr handelt! Bitte macht das Haus nicht unnötig kaputt, so dass es nach einer abgewendeten Räumung weiter nutzbar ist. Passt aufeinander auf!

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Hier noch ein Kommentar dazu, welcher in etwa der Meinung des Plenums entspricht, aber nicht offiziell “abgesegnet” wurde:

Eure Räumung wird lang, laut, hässlich und teuer.

Warum wir schon im Vorfeld keine militante Verteidigung ankündigen?

Machen wir uns nichts vor – wir sind hier nicht in Dänemark oder den 80ern. Wir im AZ sind geteilter Meinung über Militanz, aber wir sind uns einig: die Wiersbergstraße 44 ist durch uns nicht dauerhaft zu verteidigen. Auch nicht mit Steinen oder meterhohen Barrikaden aus Sofas, Tofu, Wut und Hass. Spätestens wenn sich die Staatsmacht wie in Erfurt mit Hubschraubern aufs Dach abseilt, zeigt sich die absurde Stärke des “Rechts” in ihrer vollen Pracht. Wir werden in Kabelbinder-Polonaise nach Brühl verfrachtet und der Tag ist vorbei. Das zu recht gute ‚Image’ des Autonomen Zentrums wird dabei durch einen einzigen fliegenden Stein zerstört, während die Medien endlich die Bilder von den Bösenbösenautonomen zeigen können, die sie hier (ganz enttäuscht) bisher nie gefunden haben. Das Haus würde trotzdem geräumt werden und wir fangen wieder ganz von vorne an, nur diesmal ohne viele abgeschreckte Unterstützer_Innen.

Klar ist: Die sinnlose und brutale Räumung wird uns rasend machen vor Wut.

Aber warum sollten wir deshalb einen von vornherein aussichtslosen und selbstzerstörerischen Kampf führen, wenn es andere Wege gibt, unsere Wut auszudrücken und dabei unser Ziel nicht aus den Augen zu verlieren?

Unser Ziel ist ein Autonomes Zentrum. In den letzten Monaten sind wir sehr viele mehr geworden. Wir haben uns in dieses Haus und die Idee verbissen, weil wir merken wie gut sie ist. Die Idee hat tausende angesteckt und überzeugt.

Deshalb rufen wir alle diese Menschen dazu auf, an der Räumung teilzuhaben. Möglichkeiten gibt es viele – ob sitzblockierend auf dem Vorplatz, angekettet im Hof, skatend im Haus oder tanzend auf dem Dach. Von uns wird keine Gewalt ausgehen – aber wir werden es ihnen auch ganz bestimmt nicht zu leicht machen. Dafür hat das Plenum im Vorfeld beschlossen (und wir hoffen dass sich alle daran halten!):

Das staatliche Spiel der Gewalt spielen wir nicht mit. Im AZ gelten unsere Spielregeln – und wir versprechen stattdessen den Staatsvertreter_Innen: Wir werden “Katz und Maus im Riesenhaus” mit euch spielen! Und wir kennen das Haus mittlerweile ziemlich gut… Also nehmt euch genug zu trinken mit, denn das wird ein langer und heißer Tag in euren Kampfanzügen, bis ihr uns aus den letzten Winkeln gepflückt habt.

Wir sind gespannt und aus Erfahrung etwas besorgt darüber, wie „fair“ die deutsche Polizei in geschlossenen Räumen unter Ausschluss der Öffentlichkeit „spielt“. Unser Aktionskonsens bedeutet nämlich auch: Wenn jemand verletzt wird, dann sind wir das durch euch. Aber das ist uns egal – ihr könnt uns die Köpfe einschlagen, doch nicht unsere Ideen.

Viele von uns werden es nicht mehr rechtzeitig auf das Gelände schaffen, bevor im Morgengrauen der Stadtteil abgeriegelt wird. Aber das macht nichts. Stadt, Staat und Bank sagen wir: Das Haus steht in der Wiersbergstraße, doch die Idee ist nun überall. Versucht sie doch zu fangen!

Rund um euren Belagerungsring werden wir auftauchen und immer wütender und zahlreicher an euren Polizeiketten rütteln. Während andere auf Straßenkreuzungen in Köln und ganz Deutschland den RäumungsRave tanzen. Andere lachend in viele weitere leere Häuser einziehen. Wieder andere überall in den Filialen der Stadtsparkasse und den Ämtern der Stadt ihre Meinung kundtun. Ihr werdet hochsommerlich schwitzend den schwarzen Block, sambatrommelnde Hippies, nervige Clowns und wütende Omas aus der Nachbarschaft in Schach halten müssen, während immer mehr eurer Hundertschaften den Berufsverkehr verstopfen und dazu aus einer Armada von Soundsystems ‘Bass, Bass, Bass’ dröhnt.

Und so wird es die nächsten Wochen weitergehen – denn nach dem Haus ist vor dem Haus! Währenddessen wird in Zeitungen, Blogs und Gesprächen mal wieder all der Dreck unterm kölschen Klüngelteppich beleuchtet, der die Doppelmoral der Urheber dieser Räumung verdeutlicht.

Wir sind schon sehr gespannt was unsren Freund_Innen aus Nah und Fern noch so alles einfällt, um ihre Unterstützung und Wut über diese sinnlose Tat auszudrücken…

Denn sinnlos wäre eure Räumung, und das wisst auch ihr. Die Wiersbergstraße 44 ist perfekt geeignet für unsere Idee eines Autonomen Zentrums, und ihr habt nicht einmal eine andere dafür. Ein leerer oder zerstörter Raum ist euch wichtiger als eine Nutzung durch hunderte und tausende eurer Bürger_Innen.

Das ist euer Recht. Aber es ist nicht unseres. Und das werden wir zeigen – wenn ihr es so wollt.

Der Kampf für ein Autonomes Zentrum hat gerade erst begonnen. Wir werden ihn weiterhin friedlich, aber entschlossen und kreativ führen. Ob in der Wiersbergstraße oder anderswo.

Und das wird lang, laut, hässlich und teuer für euch.